Henna Haare

Da ich nun mehrmals gefragt wurde, was ich denn alles mit meinem Haar zwecks Farbe anstelle, habe ich mich dazu entschieden den wohl einzigen Beauty Blogbeitrag meines Lebens zu verfassen. Denn es handelt sich bei meiner Färbung nicht um eine derbe Chemie-Keule, wie einige vermuten. Nein, ich bin eine dieser merkwürdigen Henna-Tanten. Also machen wir mal eine kleine Aufklärungsstunde über Henna:

Einige kennen Hennatattoos, auch Mehndi genannt. Dies ist eine Methode der kunstvollen ornamentalen Körperbemalung und stammt aus Nordwestindien. Aber mit Henna kann man eben noch viel mehr anstellen, außer sich damit zu bemalen – zum Beispiel Haare färben, ohne Schädigung!

Henna ist das wohl älteste Haarfärbemittel der Welt und besteht aus den Blättern und Sprossachsen des Hennastrauches. Es wurde bereits im 14. Jahrhundert v. Chr. von Frauen in Ägypten benutzt. Ich selbst nutze Henna jetzt seit über 3 Jahren und bin mittlerweile sehr routiniert im Umgang mit diesem Pflanzenprodukt.

Ich mag das Ergebnis. Ich höre zwar immer wieder in Räumen mit dunkler Beleuchtung: „Du hast ja braune Haare, die sind ja gar nicht rot!“, das lässt sich aber ganz leicht erklären. Henna ersetzt weder Pigmente noch bricht es die Haarstruktur auf, es legt sich lediglich um das Haar herum und sieht abhängig vom Lichteinfall immer ein wenig anders aus. Dadurch wirken die Haare im Sonnenlicht schon fast flammenartig rot und „knallen“ richtig, in dunklerer Umgebung kommt dann eben die Naturhaarfarbe etwas mehr zum Vorschein – in meinem Fall ein warmes braun. Klar, so etwas passiert bei chemischen Färbungen nicht, aber diese sind auf Dauer nun mal sehr schädlich für die Haare.  Denn diese brechen die Haarstruktur bekanntlich auf. Als Fan von langen Haaren, konnte ich mich nie so richtig damit anfreunden. Dank Henna kann ich als Natur-Brünette sorgenfrei rothaarig rumlaufen.

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von braun zu rot mit Henna

FOLGENDE MERKMALE WEIST HENNA ALS HAARFARBE AUF:

  • es gibt klassisches Henna-Pulver und auch Henna-Tönungscreme, in diesem Beitrag beziehe ich mich allerdings nur auf das Pulver, da die Cremes in den meisten Fällen nicht chemiefrei sind
  • blond, braun, schwarz und rot sind die grundlegenden Farben die man erzielen kann
  • aber es wirkt nicht aufhellend, da es kein Wasserstoffperoxid enthält
  • die Naturhaarfarbe ist Basis für das Ergebnis – demnach sind exakte Färbe-Ergebnisse, wie bei chemischen Färbungen, nicht möglich
  • es bricht die Haarstruktur nicht auf, sondern legt sich nur um die Haare
  • Henna ist langanhaltend, je öfter man es nutzt, desto mehr Schichten wickeln sich um die Haare
  • einfach mal rauswaschen oder drüber färben wenn einem die Farbe nicht mehr gefällt, geht nicht so einfach
  • deshalb: gut vorher überlegen, ob man jetzt tatsächlich langfristig braun,
    oder rot usw. werden möchte
  • das Haar wird kräftiger und bekommt mehr Glanz
  • wirkt pflegend und kann deshalb auch als Kur verwendet werden (es gibt auch farbloses Henna)
  • die Anwendung ist aufwendig und die ersten Male nervig (selber mischen, lange Einwirkzeit usw.)
  • es hat einen natürlichen Geruch, ähnlich wie Heu (ich habe kein Problem damit, einige finden es unangenehm)
  • eine ultimative „richtige“ Mischung gibt es nicht, man kann unzählig variieren und auch die Farben miteinander mixen
  • man kann nach Belieben so oft nachfärben wie man möchte, da es (wie bereits erwähnt) die Haarstruktur nicht schädigt
  • hat man zuvor eine Blondierung hinter sich, sollte man mindestens 4 Wochen warten bis man zum Henna greift, das kann nämlich sonst mit grünen Haaren enden (Chemie und Henna sind keine Freunde)
  • für rote Haare gibt es zwei nennenswerte Arten: reines Henna und Henna mit Sodium Picramaten
  • reines Henna färbt tatsächlich nur leicht rot/orange und ist z.B. für naturblonde Haare sehr gut geeignet
  • Henna mit Sodium Picramaten enthält leichte Farbverstärker, die für ein sehr intensives Rot, auch auf dunkleren Haaren sorgen
  • Sodium Picramate stehen in Verdacht krebserregend zu sein, nun veröffentlichte das Bundesinstitut für Risikobewertung allerdings folgende Information: „Die meisten Experten halten die Datenlage für nicht ausreichend, um einen eindeutigen statistischen Zusammenhang abzuleiten.“ „Ein Krebsrisiko durch Haarfärbemittel (PPD, Sodium Picramate) besteht für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht.“
  • Henna kann sich nur um saubere Haare „wickeln“, die Haare sollten vor der Anwendung frisch gewaschen sein (bitte silikonfreie Produkte verwenden)

So viel zu den grundlegenden Informationen. Wenn ihr jetzt schon die Schnauze voll habt von diesem aufwendigen Beauty-Gedöns, dann dürft ihr gerne den Beitrag verlassen, im Anschluss berichte ich nämlich, wie ich dieses Zeug verwende.

DIE VERWENDUNG VON HENNA

Achtung liebe Leser, es folgt ein Hinweis: Die folgende Anleitung bezieht sich ausschließlich auf rot färbendes Henna, bei anderen Farben (z.B. Indigo benötigt eine andere Anwendung) bitte ich darum, dass ihr Tante Google befragt!

Was wir alles brauchen für eine einfache Mischung:

  • Hennapulver 100-150 g (reicht für lange, dicke Haare aus)
  • alte Kleidung
  • 1 Löffel
  • 1 altes Handtuch
  • Frischhaltefolie oder Abdeckhaube für die Haare
  • 1 Schüssel
  • gut sitzende Handschuhe
  • bei Bedarf 1-2 Esslöffel Zitronesaft oder Essig
  • 200-300 ml heißes Wasser oder Tee
  • kleine Portion silikonfreies Shampoo und Spülung
  • bei Bedarf 1-2 Esslöffel reiner Joghurt
  • bei Bedarf Pinsel
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Zutaten Hennapaste

Keine Sorge, wir wollen hier keinen Kuchen backen, nur ein bisschen Haare färben. Was die einzelnen Zutaten bei der ganzen Prozedur bewirken erkläre ich mal ganz kurz:

Das Hennapulver benötigen wir natürlich als Basis für das Geschehen. Es ist anfangs ein grünes Pulver, davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen. Für meine langen Haare benötige ich etwa 1,5 Packungen (meist sind pro Packung 90 g enthalten). Ich habe schon unzählige Sorten ausprobiert. Ich persönlich kann das Pulver von Müller und Esthertol empfehlen. Wer einen türkischen Supermarkt in der Nähe hat, sollte sich da mal umschauen – günstige Pulver und sehr gute Ergebnisse.

Die alte Kleidung dient nur zu unserem Schutz (wer hätte es gedacht :)) Wer es natürlich risikofreudig mag, der zieht am besten seinen teuersten Fummel an und hofft auf ganz viel Glück.

Den Löffel brauchen wir um alles miteinander verrühren zu können. Kann man sich jetzt schlecht vorstellen, ist aber so.

Das alte Handtuch brauchen wir, um die Farbpaste während der Einwirkzeit (mindestens 2 Stunden) schön warm halten zu können. Wärme ist für die Entwicklung der Farbe sehr wichtig. Die Masse sollte so gut wie möglich warm und feucht gehalten werden, weshalb wir auch die Frischhaltefolie oder Haube nach dem Auftragen der Farbe griffbereit haben sollten.

In der Schüssel rühren wir logischer Weise alles ganz behutsam zusammen. Man sollte dafür nicht unbedingt Omas teure Porzellanschüssel nehmen, die man vererbt bekommen hat, weil Henna unter Umständen einen leichten gelben Schimmer auf anderen Materialien hinterlässt.

Handschuhe muss man sich eventuell extra organisieren, da z.B. die Pulver aus dem türkischen Supermarkt meist keine Handschuhe mitliefern. Und nein, wir brauchen auch keine Handschuhe für den Winter, wir wollen damit lediglich unsere Finger vor Verfärbungen schützen. Sehr gut geeignet sind hier auch die Latexhandschuhe aus dem medizinischen Bereich.

Der Zitronensaft oder Essig (allgemein säurehaltige Mittel) helfen dabei, die volle Intensität der Farbe zu erzielen. Sind aber nicht zwingend notwenig.

Wasser ist natürlich auch ganz wichtig. Zu einem um das Pulver „streichfähig“ zu bekommen und zum anderen sollte es tatsächlich heiß sein, damit sich die Farbe einfach gut entwickeln kann. Um auch hier den Effekt noch ein wenig zu verstärken und den Geruch etwas zu verändern, kann man das Hennapulver auch mit heißem Tee anrühren (rote Teesorten oder auch schwarzer Tee eignen sich gut). Dafür lässt man den Tee schön stark ziehen, quasi bis zur Untrinkbarkeit und kocht ihn nochmal schön auf, bevor man das Pulver damit verrührt.

Das silikonfreie Shampoo kommt noch vor der eigentlichen Prozedur zum Einsatz, denn damit wäscht man erstmal schön seine Haare. Das Shampoo sollte keine Silikone enthalten, da sich Henna wirklich nur auf sauberem, frei von Rückständen befindlichem Haar umwickeln kann. Silikone sind leider in vielen Styling-Produkten enthalten und eigentlich unnütz. Mit der silikonfreien Spülung verhält es sich genau so. Die können wir allerdings als zusätzliche Pflege einfach direkt mit unter die Hennapaste rühren. So wird die Masse auch cremiger und lässt sich besser auftragen.

Der reine Joghurt ist ebenfalls ein kleiner Bonus, der die Haare pflegt und einer eventuell zu flüssig geratene Masse wieder etwas „Halt“ gibt.

Mit dem Pinsel tragen wir das Ganze dann natürlich auf, es geht aber auch ohne. Unsere Händen brauchen wir eh.

UND SO WIRD ES GEMACHT, IM TURBO-GANG:

  • Haare waschen
  • alte Kleidung anziehen
  • Wasser / Tee kochen
  • heiße Flüssigkeit Stück für Stück mit Hennapulver verrühren
  • Masse darf zu Beginn ruhig noch zäh sein
  • Essig / Zitronensaft, Joghurt und Spülung unterrühren
  • die Masse so lange mit Wasser / Tee auffüllen, bis eine cremige Konsistenz entsteht (ähnlich wie Apfelmus)
1.png
Mhhh, lecker Hennapaste 🙂
  • Masse erst auftragen, wenn keine Gefahr mehr besteht, sich daran die Kopfhaut zu verbrennen
  • Masse mit dem Pinsel auftragen, Haare können ruhig noch etwas feucht vom Waschen sein, das stört nicht
  • fangt wie bei jeder Färbung mit dem Ansatz an und arbeitet euch bis in die Längen durch (den Ansatz bearbeite ich ganz sauber mit dem Pinsel, anschließend stelle ich mich kopfüber in die Dusche und knete mir das Zeug einfach ordentlich in die Haare)
  • um die Masse während des Auftragens in der Schüssel warm zu halten, könnt ihr ein kleines Wasserbad im Waschbecken nutzen
  • wenn alles aufgetragen wurde, wickelt ihr eure Haare mit Folie ein oder setzt die Haube auf
  • anschließend könnt ihr euch noch mit dem Handtuch einen hübschen Turban auf den Kopf zaubern
  • lasst die Masse mindestens 2 Stunden einwirken, Profis schlafen die ganze Nacht über damit
  • anschließend solltet ihr die Haare super gründlich auswaschen, und zwar nur mit lauwarmen Wasser, ohne Shampoo! Nur so kann sich das Henna voll entwickeln, da es noch bis zu 24 Stunden benötigt, um seine ganze Wirkung zu entfalten
  • Haare wie gewohnt trocknen und über die neue Farbe freuen

Das war doch ganz einfach, oder? Die ersten Male nerven tatsächlich ein wenig, weil man nicht so genau weiß, wie man diese komische Masse jetzt auf die Haare bekommt und beim Ausspülen hofft man, das Bad wieder lebend verlassen zu können. Aber für dieses schöne, gesunde Ergebnis lohnt es sich einfach – meiner Meinung nach. Am Anfang habe ich 2-3 mal mein komplettes Haar gefärbt, mittlerweile hängt das Henna so fest in meinen Längen, dass ich nur noch etwa alle 4 Wochen den Ansatz färbe und ein wenig Masse auf die restlichen Haare verteile, um die Farbe aufzufrischen.

ZUM SCHLUSS NOCH EIN KLEINER DANACH-PFLEGE-TIPP:

Macht mindestens einmal in der Woche eine Feuchtigkeitskur für die Haare – da sich das Henna dicht um die Haare legt und eine Art Schutzfilm bildet, trocknen die Haare auch immer ein wenig aus, da die Feuchtigkeit nicht mehr ganz so gut heran kommt. Das ist aber nicht weiter schlimm, wenn man dem Haar einfach ein bisschen zusätzliche Feuchtigkeit spendet.

Danke fürs Lesen. Ich habe fertig 🙂

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2 Gedanken zu “Henna Haare

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